Mitternachtssonne

Es geht wieder los. Dieses Mal zwar nur kurz und alleine aber trotzdem allemal ein Reisepost wert.

Ausnahmsweise etwas ganz anderes. Nicht schwitzend durch den Djungel, sondern in die Nähe des Nordpols mit dem Schiff bis nach Spitzbergen.

Ich kann meine Mutter (quasi umsonst) als Familienmitglied auf der MS Europa 2 begleiten. Sie ist dort der einzige Schiffsarzt und verantwortlich für 500 Gäste und 470 Crewmitglieder.

Bei gediegenen 36 Grad um und in unserer Wohnung in Hannover versuche ich den Koffer zu packen. Da es mir bis zuletzt schwitzend zu absurd vorkommt Wintersachen einzupacken, bin ich am Ende ziemlich schlecht ausgestattet. Dafür hab ich mit Abendkleidern und Highheels, Mütze, Bikini und Bärenglocke ein sehr gemischtes Gepäck dabei.

Ich bin wahrscheinlich der erste und letzte Passagier jemals, der zum Boarding auf ein 5 Sterne plus Schiff mit dem Flixbus für 8€ anreist. Nach den zahlreichen Busfahrten in Indien ist diese Fahrt mit AC, Wifi und USB-Buchsen quasi schon ein 5-Sterne-Reiseerlebnis.

Die Hamburger sind bei den mediterranen Temperaturen ganz wuschig und nervös und dazu ist auch noch Ironman und verirrte Irre auf Rennrädern fahren einen fast über den Haufen.

Die Ausfahrt aus Hamburg über die Elbe ist spektakulär. Man kann den Touris auf der Elbphilarmonie quasi auf Augenhöhe winken. Wie eine Hafenrundfahrt auf fahrenden Stelzen. Dazu das Ausfahrlied, dass eine Stimmung aus Champagner-Abenteuerlust und purer durchgeplanter Urlaubsfreuden verströmen soll. Ein kleines Boot bunter, partywütigen Exoten von der Hamburger Pride-Week begleitet uns eine Weile und beide Seiten beäugen sich mit verwirrtem Interesse.

Das erste Ziel sind die Shetlandinseln. Diese sind eine kulturelle Mischung aus Norwegen und Schottland. Wie auch bei allen zukünftigen Häfen kommen wir morgens um 8 in dichtestem Nebel an. Von daher doch eher britisch.

Als der Nebel sich lichtet ziehe ich walkend an den Silberrücken vorbei, lasse den Shuttlebus links liegen und bin froh mir die Beine vertreten zu können. Also renne ich durch Lerwick auf der Insel Mainland und finde schöne Ecken. Am besten gefällt mir die stürmische Klippe an der Südspitze der Stadt neben dem alten Friedhof. Und natürlich die mit neongelben Warnwesten ausgestattet geleitete Fahrradtour des anderen Kreuzfahrtschiffes die von ihrem frierenden kubanischen Fahrradguide sicher auf der rechten (und damit falschen) Straßenseite durchs Dorf gejagt werden.

Guillemots

Skeptischer Insulaner

Die Seetage verbringe ich mit Lesen, Sport, Essen, mit Mama abhängen und wieder Essen. Die Art zu Reisen ist genau gegenteilig zu unserer Rucksackreise. Alles im Überfluss aber die meisten merken das noch nicht einmal.

Ich genieße den Komfort, beäuge aber auch alles mit leichtem Amüsement und stelle wieder einmal fest, dass die Leute dort nicht glücklicher sind als Backpacker auf einer vollgerümpelten Hosteldachterasse mit Dosenbier und einer Tüte Chips.

Ökologisch ist die Reise eine Katastrophe und meine einzige Entschuldigung ist, dass ich nichts zahle und somit die Nachfrage nicht fördere. Trotzdem.

Die anderen Passagiere decken in Sachen Sympathie ein weites Feld ab. Am 2. Seetag rennen alle wie eingesperrte Jaguare in der Wilhelma mit starrem Blick an der Reeling auf und ab. Eine Chinesin mittleren Alters versucht mich beim Frühstück von der Notwendigkeit des Reichwerdens oder in ihrem Fall Reichheiratens zu überzeugen. Sonst könne man nicht Businesaclass fliegen. Mein Einwand, dass man auch in der Economyclass ans Ziel käme, verhallt ungehört.

Auf Island kann ich einen Landausflug zum „Golden Circle“ begleiten. Mein Job hier ist es die Gruppe Silberrücken von hinten zu umkreisen dass keiner verloren geht und Antworten auf Fragen über das Land zu erfinden. Ich bin ja auch das erste Mal hier.

Pingvellir

Der Geysir von Haukadalur

Nach Island überquere ich zum ersten Mal den Polarkreis. Es wird spürbar kälter, die Tage länger. Zu meiner großen Freude legen wir einen Überraschungsstop auf Jan Mayen ein. Ich hatte auch zuvor nie etwas von dieser Insel gehört. Es ist eine Vulkaninsel mit dem Bärenberg, der sich bis auf 2200m erhebt. Die schneebedeckte Spitze sieht man eigentlich nie, da Nebel der aufdringlichste Einwohner ist. Außerdem leben hier noch 10, psychisch hoffentlich sehr stabile, Forscher aus aller Welt.

Jan Mayen

Und dann meine Endstation: Spitzbergen. Nur noch ca. 1000km vom Nordpol entfernt. Das Inselarchipel wird offiziell von Norwegen verwaltet, darf aber von allen Unterzeichnern des Spitzbergen Vertrags mitbesiedelt und genutzt werden. Longyearbyen hat 2500 Einwohner. Die meisten zugezogen. Man darf nämlich gesetzlich nicht auf Spitzbergen geboren werden oder sterben. Es ist zu dieser Jahreszeit durchgehend hell. Ich finde das sehr verwirrend. Nur die ewige Dunkelheit der Wintermonate muss schlimmer sein.

Weil ich einmal das Eis sehen möchte, schließe ich mich einer sehr schönen Bootstour durch die Fjorde Svalbards an.

Eissturmvogel

Walfleisch auf dem Grill

Nordenskiöld Breen Gletscher

Pyramiden- alte russische Kohlebaustadt

Nach 3 Tagen fliege ich über Oslo und Kopenhagen nachts um 2:50 Uhr zurück nach Deutschland. Ist ja eh hell.

Vor dem Flughafen um 2:00 nachts

Das Svalbard Global Seed Vault

40€ teures Eisbergwasser

Hauptsache Zebrastreifen

Aber ich möchte gerne noch einmal mit David wiederkommen um das ganze in Ruhe zu erkunden und eventuell die Polarlichter im Winter zu sehen.

-Ria

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Full circle – Urlaub vom Urlaub

So, Kultur ist abgehakt. Ein Punkt bleibt noch auf unserer Bucket List, bevor wir auf die Zielgerade einbiegen und nur noch an unserer Tiefenentspannung arbeiten: eine Safari im Yala Nationalpark.

Wir buchen uns für eine Nacht in einer Lodge direkt am Parkeingang ein. Die Landschaft verändert sich gen Süden total. Der tropische Regenwald geht zurück und es sieht aus wie im afrikanischen Busch mit roter Erde, Dornenbüschen und Pelikanen. Und was wir in Nuwara Eliya kaum mehr für möglich gehalten haben: es wird tatsächlich wieder warm.

Die Lodge ist direkt an einen See gebaut, sodass es mit dem Pool je ein Wasserloch für die Tiere und eins für die Menschen gibt. In dem ersten tummeln sich Vögel und Büffel zwischen den Krokodilen, die sich laut den Hotelangestellten manchmal auch in den Pool verirren. Auf die Frage, was dann passiert, sagt man uns nur trocken, dass sei dann jedes Mal „a lot of trouble“…

Die Lodge können wir uns nur leisten, weil es ein last minute-Angebot gab. Der Rest der Annehmlichkeiten ist leider unbezahlbar. Unser Abendessen beschränkt sich daher auf mitgebrachte Instant-Nudeln und Thunfischtoast auf der Veranda. Als wir anschließend noch am Pool Karten spielen, sitzen wir neben dem Dessertwagen, was für mich schon eine harte Folter ist.

Am nächsten Morgen stehen wir um fünf Uhr auf und rufen uns einen Ranger, der mit uns vom Zimmer bis zum Safari-Jeep mitläuft. Während es dunkel ist, darf man nicht alleine auf dem Hotelgelände herumlaufen. Es hätte schon zu viele Unfälle mit wilden Elefanten gegeben.

Warum die Safari so früh losgeht, obwohl der Park erst um sechs aufmacht, wird uns dann recht schnell klar, als wir mit knapp 100 Sachen im Slalom um Büffel herumrasen, die auf der einspurigen Straße rasten. Die ersten 10 Jeeps im Park haben noch gute Chancen auf Tiere, danach ist alles im Dickicht verschwunden. Die Fahrer liefern sich filmreife Verfolgungsjagden bis zum Parkeingang und dann stehen wir erstmal eine Dreiviertelstunde und essen unser mitgebrachtes Frühstück. Immerhin sind wir Wagen Nummer drei in der Schlange.

Im Park geht es dann zuerst ähnlich weiter. Die Fahrer sind per Funk miteinander verbunden und sobald einer ein interessantes Tier gesichtet hat, rast das Rudel Jeeps mit Höchstgeschwindigkeit heran. wenn es sein muss auch im Rückwärtsgang, wenn sich dadurch eine bessere Position in der Warteschlange erreichen lässt.

Das klingt jetzt alles sehr befremdlich, ist es irgendwie auch. Die Tiere scheinen sich aber nicht groß an den Autos zu stören. Und nachdem wir einen (sehr seltenen) Lippenbären und einen auf einem Ast chillenden Leoparden gesichtet haben, verteilt sich das Autorudel zum Glück deutlich und die Fahrer werden entspannter.

Den Rest des Vormittags eiern wir entspannt durch den Park und lauern mit Kamera und Fernglas den Tieren auf. Auch wilde Elefanten, Büffel, Krokodile und selbst einen Mongoose (keine Ahnung wie die auf deutsch heißen) bekommen wir zu sehen.

Danach heißt es, die Zentimeter dicke Staubschicht abwaschen, die verfilzten Haare entknoten und dann geht’s erstmal zurück nach Ella. Da treffen wir Maria und Alex, die sich unserer zurückhaltenden Meinung über Reisen auf die Philippinen angeschlossen haben, und sich die letzten Tage ebenfalls im Dauerregen im Hochland um Nuwara Eliya aufgehalten haben. Mit großer Wiedersehensfreude stoßen wir auf Sri Lanka an und vergessen leicht angeduselt direkt die Zeit und unsere Versicherungen unserem Hostel-Gastgeber gegenüber, vor 16 Uhr Richtung Arugam Bay aufzubrechen. Der hat uns nämlich einen Fahrer organisiert, der ein wenig Angst hat, in der Dämmerung in einen Elefanten zu fahren, die dann wohl oft die Straßen im Osten unsicher machen. Für uns ist das natürlich eher ein Grund, doch noch ein Bier zu trinken und etwas später loszufahren und wir werden auch prompt mit einem wilden Elefanten am Straßenrand entlohnt.

Arugam Bay ist die Surferhochburg Sri Lankas und wimmelt vor angestrengt-coolen Westlern auf winzigen Surfbrettern, die sie meiner Meinung nach die meiste Zeit nur von einer Strandbar in die nächste schleppen wie Mütter ihre heiratswilligen Töchter um die Alster des 19. Jahrhunderts.

Dafür gibt es aber auch extrem coole Strandbars und viele nette Strandhütten zum Unterkommen. Das eine kriegt man halt meistens nicht ohne das andere…

Nach einer Nacht Holzhütte upgraden wir dann auf eine Hütte mit Klimaanlage, nachdem eine Ratte meine eiserne Snickersreserve angeknabbert hat. Mir kommt nach 5 Monaten Reisen nämlich die glorreiche Erkenntnis, dass es bei einem klimatisierten Zimmer meistens gar nicht auf die AC ankommt sondern auf die einhergehende bessere Isolierung und dementsprechend weniger Kriechtieren. Die ein oder andere Kakerlake muss dann aber doch noch bezwungen werden…

Nach dem wir unsere Bucket List stringent und ohne Rücksicht auf Verluste abgearbeitet haben heißt es für uns nun Urlaub vom Urlaub. Wir verbringen die Tage mit Surfversuchen, Baden, Cocktails und frischem Seafood. Maria und Alex – die nach einem Jahr ohne Urlaub fast so viel Abhängen nötig haben wie wir – leisten uns großartige Gesellschaft und wir sind dankbar, mal wieder tiefgreifende Gespräche als nur „wo wart ihr, wo fahrt ihr noch hin, wie lange seit ihr unterwegs“ zu führen.

Thunfisch und Snapper

Unheimliche Thunfischbegegnung der dritten Art

Nach fünf Tagen Beachbum-Dasein brechen wir dann auf nach Trincomalee, der letzten Station unserer langen Reise. Von hier aus werden wir am 15.6. direkt Richtung Colombo Airport aufbrechen und den Heimweg antreten.

Vorher heißt es dann aber doch nochmal zusammenreißen und Strand genießen! Surfen wird gegen Schnorcheln ausgetauscht, ansonsten geht’s eigentlich weiter wie zuvor. Und nachdem wir am vorletzten Tag dann tatsächlich noch Blauwale und Delfine zu Gesicht bekommen, haben wir das Gefühl, endgültig bereit für unsere Rückkehr zu sein. Der Kreis hat sich geschlossen.

Erster Blauwal

Sri Lanka war ein wunderschöner Abschluss dieses aufregenden halben Jahres. Das Land ist wunderbar leicht zu bereisen, die Einheimischen unfassbar freundlich und fröhlich und die Tierwelt und Landschaften atemberaubend.

Über unsere Reise an sich kann ich kaum mehr in Worte fassen als dass sie ein riesiges Abenteuer war, dass sich gleichzeitig sehr lang und sehr kurz angefühlt hat. Es ist so viel passiert und wir haben so viel gesehen und erlebt, dass selbst wir Mühe haben, uns an alles zu erinnern. Der Blog hilft uns dabei extrem, und wir freuen uns riesig, dass ihr so eine Anteilnahme an unserem Abenteuer genommen habt. Auch für eure großartigen Abschiedszeremonien wollten wir uns nochmal bedanken, und wir freuen uns unfassbar auf ein Wiedersehen mit euch allen! Bis bald und Danke für eure tolle Unterstützung!

-David und Ria, Uppuveli, Sri Lanka, mit unbändiger Vorfreude auf Freunde, Familie und Heimat

Ceylon – Last but not least

Unser letztes Land wird nun also Sri Lanka. Ursprünglich hatten wir mit den Philippinen geliebäugelt, aber die Lektüre vom Auswärtigen Amt zur aktuellen Lage liest sich mehr wie ein Gutenachtbuch von ISIS. Da wir Dekapitation nicht in unseren Erfahrungsschatz aufnehmen wollten und das auch über „Abenteuer“ hinaus geht, fliegen wir also nach Sri Lanka. Wer sich über unseren etwas wirren Flugkurs wundert: zu Recht. Aber klimatisch musste Indien chronologisch vorgezogen werden und hier in Sri Lanka wollen wir Maria und Alex aus Hannover treffen und ein Stück zusammen reisen.

Ich muss zugeben in Malaysia das erste Mal so etwas wie Heimweh verspürt zu haben, was mir letztes Mal mit 6 Jahren im Zeltlager nach 7 Tagen Dauerregen passiert ist. Die Fotos vom wunderbar sommerlichen Wetter in Deutschland machen die Sache nicht besser. Aber es ist auch beruhigend, vorerst vom endlosen Reisefieber geheilt zu sein.

Dass wir schon eine Weile unterwegs sind und langsam etwas abstumpfen zeigt sich daran, dass man sich vor dem Flug in ein gänzlich unbekanntes Land keinerlei Gedanken mehr macht. Nicht einmal mehr über die Verpflegung an Bord. Man freut sich, wenn man Gürtel und Schuhe im Securitycheck anlassen kann und man seine Wasserflasche durchgeschmuggelt bekommt.

Uns haben unterwegs viele Menschen gesagt, Sri Lanka wäre wie Indien, nur leichter. Ich finde die beiden Länder so unterschiedlich wie Irland und Israel. Beides liegt am Meer und man findet rothaarige Menschen.

Wir landen also in Colombo und beschließen, zwei Nächte dort zu bleiben. Was wir nicht wissen ist, dass Vesakh ist. Der höchste buddhistische Feiertag, und so sind die Straßen angenehm leer, überall hängen Papierlampignons und buddhistische Fahnen. Als wir durch die Stadt schlendern, bemerken wir eine beachtlich lange Menschenschlange und versuchen herauszufinden, wofür alle anstehen. Solche Schlangen findet man sonst nur in England überall oder in Madrid vor der Weihnachtslotterie. Es ist ein Restaurant, in dem anlässlich des Feiertages umsonst eine riesen Portion Gemüsereis mit Curry und Sambal ausgegeben wird. Wir werden direkt in den Laden befördert, an allen vorbeigeschoben und halten auch schon 1,2kg Reisgericht auf den Händen. Jemand erkennt unsere westliche Hilflosigkeit und findet irgendwo zwei Löffel. Das Essen schmeckt wunderbar und das Erlebnis war ein sehr netter Einstieg in die Kultur des Landes. Wenn schon Religion, dann also vielleicht Buddhismus?! 😉

An der Strandpromenade fliegen bunte Plastikdrachen im Wind, es werden jede Art frittierter Schalentiere angeboten und junge Pärchen halten heimlich Dates unter tiefgezogenen Regenschirmen ab.

Colombos Strandpromenade

An Vesekh trägt man weiß

Crab Fritters

Die Stimmung im buddhistischen Tempel ist besonders und wir lassen uns mit der Menge um den heiligen Bo-Baum schieben um ihn mit einem kleinen Kupferbecher zu gießen.

Der Gangaramaya Tempel

Gläubige beim Beten

Gebetsritual Bo-Baum gießen

Das Reisen hier ist aber tatsächlich einfacher als in Indien. Die Menschen wirken entspannter, alles geht ein bisschen geduldiger zu, sie wirken unbelasteter. Wir können unser Glück kaum fassen, als wir innerhalb von 2 Minuten ein Zugticket für den nächsten! Tag nach Kandy in den Händen halten. Das war ja ein Kinderspiel.

Die Züge in Sri Lanka sind rot oder blau, fahren im Schnitt 30km/h und die Fahrt an sich ist bereits ein touristisches Highlight. Der Weg aus der Stadt schlängelt sich erst am Fluss entlang, durch Reisfelder mit Wasserbüffeln und Reihern und windet sich langsam in das zentrale Hochland. Die Landschaft ändert sich von Regenwald über Nadelwälder zu Teeplantagen und kleinen Gemüsefeldern rund um die Dörfer.

Zugimpressionen in Colombo

Die Türen bleiben offen

Bordrestaurant

Nebelgeschwader

Cricket- ein immer noch nebulöses Spiel

Zugfotografie

Kandy ist der zweitgrößte Ballungsraum in Sri Lanka. Die Stadt beherbergt den Tempel des Heiligen Zahns, der einen Backenzahn Buddhas bewahren soll. Ob der besagte Zahn noch der ursprüngliche Zahn ist, mag unklar bleiben, der Tempel liegt aber sehr schön eingebettet in einen Park. Im umgebenden Wassergraben tummeln sich riesige Warane.

Der Tempel des Heiligen Zahns

Räucherstäbchenrauchgeschwängerte Luft

Tempelgarten

Gläubige

Deformierter Waran

Tunnelblick

Blick auf Kandys See aus der „Slightly chilled Lounge Bar“

Opfergaben

In einem Tata Nano (fährt sich genauso wie es klingt) düsen wir Richtung Norden um an einem Tag fünf Tempel und den berühmten Monolithen (Stein klingt zu platt) Sigiriya zu besichtigen. Um den Menschenmassen und 35 Dollar Steineintritt zu entgehen, klettern wir auf den Nachbarstein, von dem man eine super Aussicht auf den umgebenden Dschungel hat.

Liegender Buddha

Blick auf den Sigiriya

Flagge des Buddhismus

Aussicht vom Monolithen

Aussicht

Sigi und ich

Impressiv Modus

Gestellter Absturz

Gebetsfahnen

Von Kandy aus geht es nach Nuwara Eliya. Der Ort ist quasi das Little England Asiens. Und das hätte uns schon misstrauisch werden lassen sollen. Anders als bei Asterix & Obelix schließen sich hier Dauerregen, Nebel und Wind nicht gegenseitig aus. Da wir alle Jacken schon nach Hause geschickt haben und man ja auch nicht ewig im sportlichen Walkingschritt durch den Victoriapark rennen kann, frieren wir seit langer Zeit mal wieder. Wir können die Hotelbesitzer von der Idee überzeugen den Kamin anzumachen. Also verbringen wir den Tag mit fünf Kannen Schwarztee, konsekutivem Herzrasen und einer lächerlich aufgeregten, amerikanischen Survivalsendung. Nachmittags frönen wir unserer neuen, britischen Spießigkeit in neuen Ausmaßen und gehen zum High Tea ins „Grand Hotel“. Die Etagère, oder wie David sagt: der Essensturm ist entzückend.

Britischer wird’s nicht

In einer kurzen Trockenphase besichtigen wir eine Teefabrik und wandern zum Lover’s Leap Wasserfall.

Pedro‘s Tea Estate

Tee im Nebel

Lover‘s Leap Wasserfall

Pagode

Thiele Tee Spion

Tamilische Teepflückerinnen

Wieder weiter geht es mit unserem neuen Lieblingstransportmittel Zug nach Ella. Abgesehen von der super Aussicht aus dem Observations-Abteil sind wir sicher, dass Zugfahren hier die Überlebenschancen im Vergleich zum Straßenverkehr exorbitant steigert. Wir entschuldigen uns für die Armada an Zugfotos aber das ist in diesem Land wirklich ein Highlight.

Zug vor Tunnel

Zug im Grünen

Bahnhofsvorsteher

Wunderschöne Aussichten

Observation Wagon

Man wird plötzlich zum Zugfreak und so schaut man sich auch noch die berühmte 9 Arch Bridge an.

David auf der Nine Arch Bridge

Tunnelblick 2

Nicht getraut darauf zu sitzen

In einem Kochkurs bei einer kräftigen Frau mit sehr genauen Vorstellungen von gewissen Handgriffen lernen wir ein paar singhalesische Spezialitäten kennen. Die Kokosnuss mit der Machete aufschlagen klappt noch nicht so gut, dafür lernen wir wie man Kokosnussmilch selber macht. Die Frau wundert sich glaub ich durchgehend wie wir uns zuhause überhaupt ernähren können bei so viel geballtem Missgeschick. In einem undurchschaubaren Schema mischen wir Curry, geröstetes Curry, Chilli, Nelken, Cardamom (urg), Zimt, Salz und Pfeffer miteinander. Am Ende kommt ein Riesen Teller mit 8 verschiedenen Gemüsecurrys heraus. Unsere Gruppe beschließt den eigenen Fähigkeiten zu folgen und geht auf ein paar Bier in eine Bar.

– Ria (Trincomalee, Sri Lanka)

Pulau Pulau-Hopping oder Alle Wege führen nach Kuala Lumpur

Nachdem wir das Kulturprogramm abgehakt haben, geht’s für uns wieder ans Meer. Mit der Fähre kommen wir bis ans nordwestliche Ende von Malaysia, Pulau (Insel) Langkawi, direkt an der Grenze zu Thailand. Langkawi ist bereits sehr touristisch erschlossen, und in Kombination mit dem „Duty Free“-Status führt es dazu, dass am Wochenende Horden an einheimischen Touristen auf die Insel fahren zum Einkaufen. Tatsächlich ist wohl ein Verkaufsrenner hier Besteck. Warum auch immer.

Es gibt viele teure All-inclusive-Resorts, wir kommen aber zum Glück in einem kleinen Guesthouse nahe am Strand unter. Die Besitzerin ist irgendwo zwischen unfreundlich und völligem Desinteresse. Wie sie uns unverblümt erklärt, brächten wir westlichen Backpacker eh kein Geld ein. Das Guesthouse betreibe sie nur nebenbei, damit die Backpacker nicht am Strand schlafen müssen (frei übersetzt).

Passiv-aggressive Hostel-Regeln

Dafür habe direkt am Strand gerade erst ein neues Hotel eröffnet, dessen Infinity Pool man benutzen dürfe, wenn man dort etwas trinkt oder isst.

Das Resort „The Dash“ sieht aus, als hätte jemand „Alice im Wunderland“ neu erfinden wollen – auf Koks statt auf LSD – und daraus einen Beach Club in Miami machen wollen. Der Patio wird dominiert von einem ungelogen 10 m großem knallgrünen Hasen mit Sonnenbrille und Drink, der eine Karotte raucht. Der Gang zu den Toiletten sieht aus wie ein psychedelischer Strudel, der in jeden Swinging Sixties-Club gepasst hätte, und überall stehen vergoldete halb-Mensch-halb-Tier-Statuen herum.

Katzenmensch mit Gummistiefeln im The Dash

Der Pool ist trotzdem ziemlich einladend und die Preise auf Grund des „Duty Free“ sogar günstig, sodass wir mehr Zeit hier verbringen als in unserer spartanischen Unterkunft.

Nach einem Tag Pool und Sonne werden wir aber etwas rastlos und machen uns auf zu einem Berg im Norden der Insel. Mit einer original Doppelmayr-Seilbahn geht’s rauf zu einer irren Hängebrücke zwischen zwei Gipfeln mit angenehmem Klima und tollem Ausblick bis nach Thailand.

Wenn man hier Zelten dürfte, würden wir glatt bleiben. Allerdings auch nur unter der Woche. Das macht sich besonders bemerkbar, als wir nach dem Motto „Exit through the giftshop“ auf dem Weg nach draußen durch den gesamten, unfassbar riesigen Freizeitpark geschleust werden, der Rund um die Seilbahn aufgebaut wurde, um den letzten Cent aus der Attraktion zu wringen – und der ziemlich verlassen dasteht. Am Wochenende muss hier jedoch die Hölle los sein…

Am Sandy Skulls Beach werden uns unsere Chips von frechen Languren geklaut und als es regnet, ziehen wir uns doch wieder in den heimatlichen Pool zurück.

Cheeky Monkey

Am nächsten Tag wagen wir noch einen Ausflug zum höchsten Berg der Insel und entdecken die „extremely cute dusky leaf monkeys“, wie es eine Postkarte ausdrückt. Die Affen sind wirklich ziemlich süß und sehen aus, als hätte ihnen jemand „googly eyes“ aufgeklebt. Nur die knallorangenen Babies sehen wir leider nicht.

„The extremely cute dusky leaf monkey“

Abends fangen wir fast an, an Karma zu glauben, als Ria beim Müll-Einsammeln am Strand ein Portmonee mit 600 Ringgit (ca. 120€) und sonst nichts weiter drin findet. Niemand will das Ding verloren haben und suchen tut auch keiner. Als wir dann ein paar Stunden später für unseren Abschlussabend die zweite Flasche Wein bestellen, taucht eine Gruppe Chinesen am Strand auf und sucht ihn mit Taschenlampen ab, sodass wir uns doch noch gezwungen sehen, auf uns aufmerksam zu machen. Zum Glück hatten wir noch nicht mit dem Geld bezahlt…

Abschied von Pulau Langkawi

Weiter wollen wir – mal eben – nach Pulau Tioman, eine Insel vor dem südöstlichsten Punkt des malayischen Festlandes, an der Grenze zu Singapur. Da der dortige Flughafen vor drei Jahren den Betrieb eingestellt hat, machen wir eine Nacht Zwischenstopp in Kuala Lumpur. Dann geht es mal wieder früh morgens los und nur zwölf Stunden später sind wir auch schon da. Man muss schon sagen, man gewöhnt sich an alles. Man muss aber auch sagen, dass zwölf Stunden Reisen in Malaysia ungefähr zwei Stunden Reisen in Rajasthan entsprechen…

Auf der Fähre nach Pulau Tioman

Tioman ist eine Perle im Südchinesischen Meer. Wunderschön, ruhig, wahnsinnig nette Einwohner, super Essen und die besten Tauchspots, an denen wir je waren.

Unsere Strandhütte, 3. von links

Große (oben) und kleine (unten) Monitor Lizard-Spezies

Nach zwei Tagen auf der Ostseite der Insel, mit kleinem Affenausbruch zwischendurch, sind wir tiefenentspannt.

Mehr cheeky monkeys

Sven, der herzliche berliner Oberschwabe im Bungalow neben uns, rät uns, zum Tauchen auf die Westseite umzuziehen. Also packen wir unsere Sachen und nisten uns direkt neben der kleinen Tauchschule in einem weiteren Bungalow ein. Die See hat einen Indigo-Blauton den ich noch nie gesehen habe. Und beim Tauchen werden wir dann völlig überwältigt. Bei einem einzigen, einstündigen Tauchgang sehen wir Schwarzspitzen-Riffhaie, Hawksbill-Meeresschildkröten, eine mehr als mannsgroße Moräne, einen riesigen Kugelfish, einen niedlichen Cuttlefish und vieles mehr. Selbst Borneo hatte nicht soviel gleichzeitig zu bieten.

Tauchvorbereitungen

Paul aus Kuala Lumpur,der mit dabei ist, macht Dutzende Fotos, die er uns schicken will, bis zum Redaktionsschluss leider jedoch noch nicht getan hat. Für Interessierte reichen wir gerne Beweise nach, wenn wir zurück sind 😉

Das Wochenende ist eingeläutet, die Ferien in Singapur haben begonnen, und die Insel ist ziemlich ausgebucht. Also ziehen wir mal wieder um. Man gewöhnt sich an alles.

Nomadenleben

Das Champions League-Finale sparen wir uns, es läuft hier um drei Uhr nachts. Wir gehen zum Abschied aber noch mit Sven Essen und haben viel Spaß, entdecken, dass man Rum sehr gut mit Wasser trinken kann (meiner Meinung nach wesentlich besser als der uns nahegelegte Wodka mit Wasser aka „Skinny Bitch“ oder unserem abartigen Gin-Wasser-Versuch aka „Ginny Bitch“) und ich werde von Amy, dem Einheimischen, dessen Version von „Hotel California“ mir buchstäblich Gänsehaut beschert, zum Gitarre-Spielen genötigt. „Nothing Else Matters“ kann er so gut singen wie James Hetfield persönlich.

Zu guter Letzt machen wir uns schweren Herzens mal wieder auf den Weg nach Kuala Lumpur – für die, die nicht mitgezählt haben dem vierten Mal auf dieser Reise. Die Strecke enthält sechs Stunden Busfahrt durch die vier vorherrschenden Arten malayischen Dschungels: gerade gerodet, kleine, mittelgroße und ausgewachsene Ölpalmen.

Ausgewachsene Ölpalmen

Von Kuala Lumpur werden wir dann zu unserem finalen Reiseziel gelangen: Sri Lanka. Das Visum beantragen wir online mit links, aufgeregt sind wir diesmal auch nicht. Man gewöhnt sich an alles. Fast ein bisschen schade.

Petronas-Tower in Kuala Lumpur

-David, Palmölplantage 482, Straße zwischen Mersing und Kuala Lumpur, Malaysia

Malaysia – Easy like a Sunday Morning

Malaysia – Mit 31 Mio. Einwohnern ein 40-stel Indiens, 10 Grad kälter und die Aussicht auf Essen ohne infektiöse Gastroenteritis, wie der nervige Mediziner sagen würde.

So schön Indien war und so froh ich bin, Nordindien noch gesehen zu haben, sind wir jetzt einfach sehr froh über einen Tapetenwechsel. Wir sind sogar so froh, dass David um ein Haar den malayischen Flugbegleiter in der Boeing nach Kuala Lumpur umarmt hätte. Aber das hätte Verwirrung gestiftet. Dank der Zeitverschiebung verpassen wir irgendwelche sinnlosen Stunden zwischen 4 und 7 und kommen am Flughafen in Kuala Lumpur an wie DDRler nach dem Mauerfall in der BRD. Leuchtende Supermärkte, Leuchtreklamen, Einkaufswagen, einladende und auslandende Bäckereiwarenstände. Von Touris in Hotpants bis Frauen in Burkas alles vertreten.

Wir haben ein AirBnB im Zentrum Kuala Lumpur’s gemietet. Diese Wohnblöcke erinnern mich zwar immer etwas an einen Bienenstock aber dafür gibt es einen Pool, an dessen Liegen wir versuchen Schlaf aufzuholen, bis das Zimmer frei wird.

Baukräne sind die neuen Bäume. Dafür Golfplatz auf dem Parkhaus.

Die Wohnung ist im 18. Stock und bietet eine weite Aussicht über die Skyline Kuala Lumpur’s. Ich kann nicht glauben wie leer die Straßen sind. Keine Autos, keine Menschen, keine Kühe, kein Hupen. Ab und zu mal eine einsame Straßenbahn. Im Nachhinein stellt sich heraus, dass just Wahlen waren und aus Freude, dass der korrupte Premierminister abgewählt wurde, wurden 2 spontane Feiertage ausgerufen. Jetzt kommt mit dem 92-jährigen Mahathir Mohamad bestimmt frischer Wind in die Bude.

Nach genüsslichem Ausschlafen wagen wir uns vorsichtig wie getretene Hunde an die Nahrungsmittelaufnahme. Vor den riesigen, an den Timesquare erinnernden Leuchtreklamen fühle ich mich erneut wie ein Zeitreisender. Kuala Lumpur protzt nur so vor bunt leuchtenden Scyscrapern, riesigen Konsumtempeln und Kulturen aller Art. Wir betreiben etwas light Sightseeing – für mehr touristische Aufregung fühle ich mich noch zu ausgelaugt. Kuala Lumpur wirkt auf den ersten Blick größer als es ist (1,5 Mio. Einwohner).

Fondue mal anders

Aufpäppeln 2.0

Chinesischer Tempel in Chinatown

Die Batu Höhlen 15 km außerhalb Kuala Lumpurs

Eine 43 Meter hohe Statue von Murugan

Die Kalksteinhöhlen beherbergen mehrere hinduistische Tempel

…und die obligatorischen, diebischen Affen

Chinesischer Tempel

Ins Stadtbild eingebetteter hinduistischer Tempel

Skyline aus dem Menara Tower betrachtet mit den bekannten Petronas Türmen

Und schnell fällt auf: alles ist so einfach hier! Kommunikation, Transport, Service, Essen, alles.

Also päppeln wir uns dort etwas auf, bevor wir in den ältesten Nationalpark Malaysias – Taman Negara – aufbrechen.

Der chinesische Busfahrer muss früher für Bofrost gefahren sein aber wir kommen etwas unterkühlt und ausgeruht trotzdem ans Ziel. Bis kurz vor das letzte Dorf führt eine aalglatte, zweispurige Autobahn, die fast nur uns gehört. Die Leute scheinen immer noch im Wahl-Freudentaumel zu stecken – könnte einem ja in der westlichen Welt nicht passieren derzeit…

In Jerantut wird auf ein Longboat umgesattelt, das uns drei Stunden den Fluss aufwärts bringt. Dieser ist hellbraun und erinnert an den Amazonas. Am Flussufer sieht man sehr glückliche Wasserbüffel und blaue Kingfisher.

Floating Restaurants

Fährfahrer vor malaysischer Flagge

Am nächsten Tag starten wir die Erkundungstour durch den Regenwald. Wir bilden uns ein, einen recht hässlichen Marderbär vorbeihuschen gesehen zu haben. Auf einem Canopywalk in 30 Metern Höhe kann man die Baumwipfeln erklimmen und die veränderte Perspektive genießen. An Säugetieren sehen wir hauptsächlich Holländer um uns herum. Der Gang durch das satte Grün des Djungels auf Höhe der Urwaldriesen ist trotzdem sehr beeindruckend.

Canopywalk- hier sogar mit Treppenstufen

Grüne Hölle

Danach besteigen wir den Bukit Teresik, der uns literweise Schweiß abverlangt. Oben sitzt eine Frau mit blutendem Knie – ein Blutegel ist schuld. Desinfektionsmittel wolle sie keines, sie sei geimpft…

Aussicht vom Bukit Teresik

Zur Belohnung gibt es Mittagessen im Parkrestaurant und ein Bad im Fluss. Wenn man sich einmal an die Farbe des Wassers gewöhnt hat, ist es herrlich.

Badestelle im Nationalpark

Nach der Dämmerung wagen wir uns erneut in den Dschungel. Ein Tapir haben wir bei der Nachtwanderung zwar leider nicht gesehen, dafür riesige Stabheuschrecken, Tausendfüssler, im Schwarzlicht leuchtende Skorpione und wieder Holländer.

Disko-Skorpion

Der nächste Stop ist George Town auf der Halbinsel Penang an der Westküste Malaysias. Dort kommen wir nach 12 Stunden hochqualitativen Busfahrens und einer kurzen Fährfahrt an.

Teefelder in den Cameron Highlands die uns sehr an Munnar in Indien erinnern

  • Teemeer

Sonnenuntergang hinter Georgetown

Georgetown ist eine amüsante Mischung aus alter chinesischer Handelsdynastie, Little India und falaffelbrutzelnden Expat-Hippies. Es ist eine sehr lebhafte Stadt, so lassen wir uns dort einfach 2 Tage treiben. Es wimmelt vor Steet Art, Kolonial- und chinesischer Architektur, Bars, Restaurants, Hawkers (Straßen-Imbissen) und Aussteigern. Wir haben auch neue Zuversicht in Lebensmittel und mampfen uns durch das Potpourri asiatischer Küche.

Street Art

 

Hawker Stände mit leckerer chinesischer Suppe mit mir unbekannten Zutaten

Nudeln, Garnele, Chili und Kloß

David und Ria vor Hintern

Ah…doch nur Ganesha

Colourblocking

Alte chines. Handelshäuser mit Rikscha

Farbenfrohe Wandgemälde

Love Lane- mixed messages

Metzger

Powernap

Patio

– Ria (Bofrostbus von Mersing nach Kuala Lumpur)

Varanasi – Stairway to Nirvana

Unserer großen Hoffnung auf besseres Essen folgend sind wir in Varanasi angekommen. Die Fahrt zum Hostel führt an etwas grüneren Feldern vorbei als die Steppe um Agra, und der Verkehr scheint auch ein wenig entspannter. Das Hostel ist ziemlich neu, die Tore sehen aus, als ob sie einen T-Rex beherbergen, und man ist direkt in einer Oase der Ruhe.

„What do they got in there? King Kong?“

Die Stadt an sich, von der wir uns eingeredet haben, lauter und chaotischer als Rajasthan könne es nicht werden, ist pures Chaos. Enge Gassen, mehr Menschen als je zuvor, und selbst die Hupen scheinen lauter als sonst.

Impressionen von Varanasis Straßen

Am ersten Abend schauen wir uns das allabendliche Feuerritual zu Ehren der Flussgöttin Ganga an. Das Spektakel ist ein Volksfest, das jeden Abend aufs Neue losgeht.

Am nächsten Tag schauen wir uns dann die „Burning Ghats“ an, dass, wofür die ganze Welt nach Varanasi fährt. An den Stufen des Ganges brennen Feuer, ununterbrochen seit 3500 Jahren, mit denen die gläubigen Hindus nach ihrem Tod unter freiem Himmel und am Ufer des heiligen Flusses verbrannt werden. Damit erlangt man direkten Austritt aus dem Wiedergeburts-Zyklus, verlässt dieses Jammertal und geht direkt ins Nirvana ein. Dementsprechend viele Hindus pilgern gegen Ende ihres Lebens in diese heiligste aller Städte und es gibt in nächster Umgebung der „Burning Ghats“ viele Hospize. Vor einem dieser Hospize spricht uns ein junger Typ an. Er wolle uns gerne die Vorgänge im Viertel zeigen, Geld wolle er dafür nicht, nur wenn wir wollten, könnten wir im Anschluss eine Kleinigkeit spenden. Er führt uns zu den Hütern des ewigen Feuers, zu den Händlern, die das Feuerholz verkaufen und schließlich zu einem Aussichtspunkt, von wo aus man die Zeremonien beobachten kann.

Vor unseren Augen werden in orangene Tücher gehüllte Leichen von „Unberührbaren“ zum Wasser getragen und dort gewaschen, während nebenan ein weiterer dieser Kastenlosen einen Reisigzweig ins ewige Feuer hält und damit hinabeilt, um einen Scheiterhaufen anzustecken. Etwas weiter im Fluss sieht man 3 Männer, die hüfttief im schlammigen Wasser stehen, um sie herum eine schwarze Schicht an der Oberfläche. Sie durchsieben die Asche der heruntergebrannten Scheiterhaufen auf der Suche nach Gold- und Silberschmuck, der die Flammen überstanden hat.

Die Hitze brennt uns in den Augen, der Rauch beißt im Hals. Aber die Zeremonien sind auch für uns, die wir keine Novizen im Umgang mit dem Tod sind, beeindruckend.

Fotos darf man hier nicht machen, was ich gut nachvollziehen kann. Unser Guide erzählt uns, früher am Tag habe es Handgreiflichkeiten mit einem Ami gegeben, dem dieses Gebot wohl nicht gepasst habe…

Im Anschluss an die Tour verlangt der Guide dann doch noch Geld, womit wir gerechnet hatten. Die Summe jedoch, die er uns, in Hinblick auf deren Einfluss auf unser Karma, abringen will, ist exorbitant. Mehr als fürstlich entlohnt für die 15 min. Führung und mit dem Hinweis, das Karma sei uns bereits wohl genug gesonnen, lassen wir unseren neuen Freund zurück.

Abends machen wir eine Bootstour mit einem kleinen Holzkahn. Vom Wasser ist die Stadt deutlich entspannter zu bestaunen. Der Lärm verblasst, die engen Gassen und die Menschenmassen erscheinen von außen eher interessant als anstrengend.

Impressionen Varanasis vom Ganges aus

Der Aufenthalt in unserer letzten Station in Indien geht dem Ende zu. Aber wir sind froh, uns bis hierhin vorgewagt zu haben. Mit Tuktuks, Autos, Bussen, Zügen, Booten und Flugzeugen haben wir uns von der südlichsten Provinz des Riesenstaates in einem Bogen an Pakistan vorbei bis in die Nähe des Himalayas und Bangladeshs vorgearbeitet und dabei 3872 km zurückgelegt.

Den Norden Indiens zu bereisen ist wahrlich mit Anstrengungen verbunden. Der Süden und der Norden sind sich so unterschiedlich wie Sizilien und Schweden, und ungefähr soweit voneinander entfernt. Aber wir haben uns auch nicht die leichteste Reisezeit ausgesucht. Und dass man Indien nicht mal eben so erkundet, ist wohl selbstverständlich. Vieles haben wir noch nicht gesehen, und mit Sicherheit werden wir eines Tages wiederkommen. So anstrengend und unwirtlich dieses Land teils sein mag, so wunderschön und aufregend ist es doch gleichzeitig. Für den Moment jedoch haben wir genug gesehen, und wir sind unglaublich gespannt, was uns das Festland Malaysias zu bieten hat. Kuala Lumpur erwartet uns bereits, und wir machen uns auf einen erneuten Kulturschock gefasst. Die 10 Grad Temperaturunterschied nehmen wir natürlich auch dankend an 😉

Schmal sind wir geworden in Indien

-David, Taman Negara Nationalpark, Pahang, Malaysia

Agra – A Taj on the Hard Side

Während ich das hier schreibe sitzen wir am Flughafen von Agra und sind einfach nur froh, nach Varanasi zu fliegen. Das darf man jetzt nicht überinterpretieren, aber vielleicht sollte ich es etwas erläutern.

Als wir in Jaipur abfahren, kann ich mich gerade wieder auf den Beinen halten, und essen funktioniert nur ansatzweise. Die Busfahrt nach Agra ist zwar mit ca. 5,5 Stunden an indischen Verhältnissen gemessen nicht lang, aber anstrengend. Die Klimaanlage ist aus, es ist laut und eng und wir bezweifeln, dass unser Gepäck sicher ist. Darum steigen wir bei jeder Pause aus, um zu schauen, dass nichts abhanden kommt. Und der Bus hält oft. Meistens, weil jemand pinkeln muss, was dann neben dem Bus am Straßenrand passiert. Wir haben uns ein richtiges Hotel genommen, und ich bin heilfroh, etwas Ruhe zu haben. Besonders, als Ria dann mit Kränkeln anfängt, als es mir langsam besser geht. Unsere Pläne müssen wir kurzerhand ändern, der Bus nach Varanasi wird gecancelt, wir buchen eine Nacht im Hotel dazu. An Sightseeing ist am nächsten Tag nicht zu denken, also lasse ich Ria in unserer Höhle der Ruhe mit Netflix zurück, während ich auf Nahrungssuche gehe.

Das stellt sich als schwerer heraus als erwartet, und mehrmals werde ich mich in den nächsten Tagen von – leckerem, aber überteuertem – Hotelessen ernähren. Dafür kann ich wenigstens dem Skorbut vorbeugen und kriege frischen Salat und Obst. Wer mir nicht glaubt, dass es in der 1,5 Mio. Einwohner zählenden Großstadt Agra schwer ist, Essbares zu finden, dem sei hier die Beschreibung eines der besseren Restaurants der Stadt aus der Traveler-Bibel „Lonely Planet“ zitiert: „…“

Auch Tripadvisor ist keine große Hilfe, stellen sich doch die meisten guten Bewertungen als Fake News heraus. Unsere Ernährung setzt sich für unseren Agra-Aufenthalt daher aus Domino‘s Pizza, Dextro Energen, Bananen und diesem netten „Twinkies“-Verschnitt zusammen. Gesund ist was anderes…

Was Agra an haute cuisine vermissen lässt, versucht es durch Denkmäler auszugleichen. Ich besichtige das Agra Fort, ein wunderschön erhaltenes Mughal (gesprochen „Muggle“)-Fort, das teils immer noch vom indischen Militär benutzt und daher teils gesperrt ist.

Die einzelnen Abschnitte sind sehr abwechslungsreich und wirklich schön, z. B. die Perlen-Moschee, bei der man sich fühlt, als sei man plötzlich durch eine kleine Öffnung in der Wand mitten in die weiße Stadt Gondor‘s spaziert.

Für erfahrene Leser unseres Blogs mag es sich jedoch etwas langweilig anhören, mich wieder von einem Fort reden zu hören.

Abends geht es Ria zum Glück etwas besser, und wir wagen es, dass Taj Mahal zu besichtigen. Tickets kaufen wir, mit viel Mühe und Frustration, online, und sparen uns so das Anstehen in der Hitze. Das Taj Mahal hat es tatsächlich in sich, und die Geschichte seiner Erbauung liest sich wie aus 1001 Nacht. Wer mag, kann dies gerne nachlesen, sie enthält Liebe, Trauer, Verrat, und ein quasi-Happy End. Den anderen genügt vielleicht, dass Rudyard Kipling, Autor des Dschungelbuchs, es als Träne auf der Wange der Unendlichkeit beschrieb. Es ist wirklich wunderschön.

Nach langem Beraten entschließen wir uns dann schließlich, einen Flug nach Varanasi zu buchen. Warten ist keine Option, werden wir Indien doch Übermorgen gen Malaysia endgültig verlassen, die Züge sind für Tage im Voraus ausgebucht, und eine 15-stündige Busfahrt mit Fieber und Magen-Darm-Beschwerden ist uns dann doch etwas hart. Um die Kosten auszugleichen, ziehen wir für die letzte Nacht ins Hostel nebenan, welches durch den Sandsturm der letzten Tage einen Teil der Klimaanlagen eingebüßt hat. Nach einigem hin und her kommt der Rezeptionist dann auf die Idee, uns 2 der 3 freien Dormbetten in dem 4er-Dorm anzubieten, in dem er bislang alleine schlief und oh Wunder die A/C einwandfrei funktioniert.

Am Flughafen angekommen, den man nur mit gültigem Ticket und nach 3-maliger Pass-Kontrolle betreten darf – bis 2012 war es ein ausschließlicher Militärflughafen – meldet sich dann das schlechte Gewissen. Außer uns warten sage und schreibe 7 Leute auf den Flug. Als wir dann einsteigen, stellt sich heraus, dass der Flieger bereits Passagiere in Delhi an Bord genommen hat, und nicht nur für 9 Passagiere bis nach Varanasi fliegt. Das beruhigt mein Gewissen ein wenig, aber wenn ich ehrlich bin, freue ich mich aktuell nur, nicht 15 Stunden auf einer schlaglöchrigen Straße bei +40 Grad absolvieren zu müssen.

-David, Flughafen Agra, Uttar Pradesh, Indien

White, Blue, Pink- Colours of Craziness

Unser ursprünglicher Plan war erst einmal vier Wochen durch Südindien von Kochi bis Mumbai zu Reisen und dort zu entscheiden, ob wir noch mehr sehen möchten von Indien. Ob wir die Hitze noch aushalten oder eine Pause brauchen vom „Advanced Backpacking“.

Und ja, der erste Monat hat uns sehr gut gefallen, Südindien uns so positiv überrascht, dass wir jetzt gerne noch die Eindrücke aus dem Norden hinzufügen möchten. Statistisch ist Rajasthan einer der ärmsten Bundesstaaten, hat eine der höchsten Analphabetenraten, viel mehr Männer als Frauen und eine Lebenserwartung von 65 Jahren. Auch das Reisen soll schwieriger sein. Wir wollen es mit eigenen Augen sehen.

Unsere Reise durch Nordindien beginnt in Udaipur, der „Weißen Stadt“ und laut Volksmeinung romantischste Stadt Indiens. Manche vergleichen die Stadt mit Venedig… finde ich jetzt etwas weit hergeholt. Zwei Brücken machen noch nicht Venedig.

Udaipur- die weiße Stadt

Schwimmwestenpflicht

Stadtpalast. Die blauen Fliesen sind teilweise aus Holland

Typische Wandmalerei

In Udaipur wurde James Bond „Octopussy“ gedreht. Im Restaurant nebenan wird der Film jeden Abend gezeigt. Die armen Kellner. Unser Start in der Stadt beginnt nicht so ganz agentenmäßig. David tritt in Flip-Flops in einen Haufen Kuhdung. Beim Versuch, ihn im nur minder sauberen Seewasser auszuwaschen, rutscht er auf den Algen aus und fällt um ein Haar ins uneinladende Nass. Also zurück auf Null (in dem Fall unser Hostel).

Udaipur glänzt im Verlauf mit dem wunderschönen Stadtpalast aus dem 16. Jahrhundert, einem sehr interessanten hinduistischen Tempel und weiten Blicken über den See.

Jagdish Tempel

Stadtpalast

Frauen verkaufen beliebte Opfergaben vor dem Tempel

Stadtpalast

Spiegel waren hoch in Mode

Ein Sadu- Heiliger Mann im Tempel

Flughunde im Park

Blick auf die Altstadt aus dem Palast

Straßenszene

Wächter mit authoritätsuntergrabendem Bommelhut

Ein Bad im See

Cricket – ein ewiges Mysterium

Streifenhörnchen- die eigentlichen Herrscher Indiens

Insgeheim hatten wir gehofft, es würde kälter werden, wenn wir nach Norden fahren. Das ist die Regel in Europa. Nicht hier. Also hoffen wir jedes Mal auf Erfrischung, aber stattdessen wird es von Stadt zu Stadt erst einmal heißer. 36 Grad in Udaipur, 43 Grad in Jodphur. Dort sollen es im Mai bis 52 Grad werden. Die Städte sind sandiger, staubiger, ausgetrocknet.

Auf dem Weg nach Jodphur (und das klingt jetzt wieder leichter als es war) hat man den Eindruck, man ist in der Wüste im Orient. Die Landschaft verwandelt sich in Savanne, die Männer tragen orangene Turbane und weiße Leinengewänder. Kamele ziehen Lastkutschen – es wirkt alles sehr exotisch.

In Jodphur, auch die „blaue Stadt“ genannt, wohnen wir in einem wunderschönen 200 Jahre alten Boutique-Guesthouse im Altstadtbezirk.

The Arch Boutique Guesthouse

Ein altes Bad neben unserem Guesthouse. Die Jungen springen von ganz oben in den konzentrisch zulaufenden Brunnen. Ziemlich gefährlich.

Jodhpur beherbergt ein beeindruckendes Fort, dass sich filmreif (man sehe „The Dark Knight Rises“) aus einem roten Tafelberg aus Sandstein erhebt. Rajasthan ist das Land der alten Könige und jede Stadt protzt somit nur so vor alten Forts, Palästen und Befestigungsanlagen.

Das Meherangarh-Fort in Jodhpur

Die Handabdrücke der Witwen der Maharajas, die sich nach dem alten indischen Brauch des „Sati“ bei der Feuerbestattung des Ehemanns lebendig in die Flammen warfen

Stolzer Bart- und Turbanträger

Demonstration über die Länge eines ausgerollten Turbans

„Blau“ wird die Stadt nicht aufgrund der von uns phantasierten, zahlreichen atmosphärischen Biergärten genannt (wir haben Tagträume von Schwarzbrot und Kartoffelsalat), sondern weil ein Teil der Altstadt in fluoreszierendem, insektenabweisendem Blau gestrichen ist. Blau war früher die Farbe der Kaste der Brahmanen, heutzutage streicht jeder sein Haus blau. So wie in Deutschland in den 90ern alle Toskana-Terracotta an die Wände geschmiert haben ;).

Die blaue Altstadt von Jodhpur

Insgeheim dachten wir schon, wir sind quasi unbesiegbar, hatten wir bisher keinerlei Probleme mit dem Essen. Doch dann wird David krank, bekommt Fieber und Übelkeit. Wir richten ein Krankenlager ein und ich freunde mich nach mehreren Besuchen mit dem hiesigen Apotheker an.

Eine Erkenntnis am Rande, die mich durch Reisen von Panama bis Kambodscha, von Honduras bis Indonesien erreicht, ist: in Apotheken auf der ganzen Welt steht in der Regalreihe ganz vorne Viagra. Hier „Man Power“ genannt.

Hier finde ich jedoch tatsächlich zwei Beutel Infusionslösung mit martialischem Infusionsystem und ein Fiebermessgerät. Während die Infusion durchläuft, muss hier die 4 cm lange Kanüle in der Vene bleiben, was David super findet.

Direkt am Marktplatz war ein super Café aus dem sich hervorragend die verschiedenen Charaktere fotografieren ließen

Der Glockenturm mit Marktplatz

Wühltisch auf indisch

Keiner zeigt körperliche Affektionen- nur bei Männerfreundschaften kein Problem

Im Rock Garden der die Flora und Fauna der Thar Wüste beherbergt

Mit dem Liegezug lassen wir uns dann weiterschütteln nach Jaipur. Die Hauptstadt Rajasthans ist knapp größer als Berlin und wird auch die „Pinke Stadt“ genannt. Die Highlights dort sind das Amber Fort und unser Hotel. Ein altes Haveli (palastartig umgestaltetes altes Wohnhaus, früherer meist muslimischer Fernhändler) mit wunderschönem Garten und Pool.

Alsisar Haveli mit Hotelhund Stella

Amber Fort Jaipur

Gärten

Palastwächter

Man konnte auch laufen

Schmuckvolle Türen im City Palast

Loriot live

David wurde unfreiwillig von einer Herde gelbhütiger griechischer Touristen umzingelt

Hawa Mahal- der Palast aus dem die Frauen des Maharajas früher das Geschehen und Paraden auf der Straße beobachten konnten

Fahrradrikschafahrer mit schwerer Fracht

Jantar Mantar- das alte Zentrum für Astronomie

Ansonsten fand ich Jaipur sehr hektisch und die Hupen der Tuktuks lauter als sonst. Nordindien kommt dem Klischee von verstopften, durch Hupkonzerte beschallten Straßen schon näher. Deshalb entscheiden wir uns auch sehr zufrieden gegen Delhi. Man muss seine Energien hier sehr wohl-überlegt einsetzen. Süd- und Nordindien sind für mich so unterschiedlich wie Schweden und Sizilien.

– Ria (Militärflughafen Agra, einziges Gate)

A Tale of two Cities

Mumbai, Bombay, Stadt der Gegensätze. Knapp 22 Mio. Einwohner, der größte Slum Asiens, das teuerste Eigenheim der Welt, und alles dazwischen. Wir erwarten ein Moloch von uns bislang unbekannten Ausmaßen – und werden wieder mal enttäuscht. Der Flughafen ist topmodern, auf der Taxifahrt zum Hostel sehen wir kein einziges Tuktuk, der Verkehr ist – nach indischen Maßstäben – nahezu geordnet. Unser Hostel liegt im wunderschönen Stadtteil Colaba mit seinen herrschaftlichen viktorianischen Gebäuden und dem Kern der ursprünglichen Stadt. Und das Zimmer ist ein Traum. Da dass Hostel erst vor einem Monat eröffnet hat, ist alles neu und sauber. Die Hälfte der Räume ist noch gar nicht bezogen, die Betreiber wollen noch ein „low profile“ halten. Abends gehen wir ins „Colaba Social“, einem richtigen Pub mit entsprechendem Essen, sehr lauter amerikanischer Popmusik und gepfefferten Preisen. Der „Beef Burger“ ist großartig, ob es wirklich Rind ist, bezweifeln wir jedoch weiterhin. Das ist in Indien eigentlich illegal, und die meisten Inder sagen uns, dass Wasserbüffel als Rind verkauft wird – außer natürlich die Kellner. Lecker ist er trotzdem, vielleicht auch, weil es das erste Fleisch ist, dass ich seit unserer Ankunft in Indien esse.

Am nächsten Morgen laufen wir zum „Gateway of India“, dem Wahrzeichen der Stadt, erbaut zu Ehren George V‘s anlässlich seines Besuches in Indien als erster britischer Monarch überhaupt – und fertiggestellt circa 15 Jahre später. Immerhin war es noch rechtzeitig fertig, dass die britischen Truppen bei ihrem Auszug aus Indien hierdurch zu ihren Schiffen marschieren konnten.

Von hier nehmen wir ebenfalls ein Boot zur Elephanta Island mit den uralten Hindutempeln. Der Haupttempel ist beeindruckend, aber es ist so wahnsinnig heiß, dass ich fast zusammenklappe, und die einstündige Bootsfahrt zurück ist auch nicht hilfreich.

Shiva-Tempel auf Elephanta-Island

Erschöpfte Touris auf dem Rückweg

Zurück auf dem Festland schauen wir uns das wunderschöne kulturhistorische Museum mit dem Zungenbrechernamen Chhatrapati Shivaji Maharaj Vastu Sangrahalaya an.

Abends gibt es noch einen vom Hostel organisierten Stadtspaziergang durch Colaba, vorbei am Hauptbahnhof, Hauptpostamt, der Bibliothek (wo gerade ein Bollywood-Film gedreht wird) und vielem mehr.

Hauptbahnhof Mumbai

Uhrenturm der Universität Mumbai

Filmszenen vor der Bibliothek Mumbai

Straßenszene

Tags darauf lernen wir die andere Seite Mumbais kennen. Wir machen eine Tour durch Dharavi, den größten Slum Asiens, in dem 1 Mio. Menschen auf 2 Quadratkilometern leben. Die Tour wird von Einheimischen Dharavis geleitet und 80% der Erlöse werden in Hilfsprojekte für die Einwohner gespendet. Fotografieren ist verboten. Tatsächlich ist Dharavi eine Art vor Lebendigkeit und Geschäftigkeit wuselnder Parallelstadt mit eigenen Industrien wie Metallverarbeitung und Plastikrecycling sowie durch die Regierung garantierter Wasser- und Stromversorgung. Da die Regierung den Slum legalisiert hat, müssen die Bewohner keine Angst mehr haben, von ihrem Land vertrieben zu werden, und auf Grund der zentralen Lage explodieren die Grundstückspreise nahezu. Ein Haus mit 25 qkm Grundfläche kostet aktuell circa 20-25.000$. Verblüffend finde ich auch, dass man völlig unbehelligt hier umher laufen kann. Ich bezweifle sehr, dass man ähnliches über Favelas in Rio, Ghettos in Chicago oder Vororte von Paris sagen könnte. Und ich hab noch nie jemanden sagen hören, Frankreich sei ihm als Urlaubsland zu gefährlich…

Die Dächer von Dharavi

Fehler
Dieses Video existiert nicht

Wir übertreiben es mal wieder maßlos mit unserem ambitionierten Sightseeing-Gehabe und hängen noch das Freiluftwäscherei-Viertel (eher zufällig) und die Haji-Ali (Pilger-Ali)-Moschee (mit voller, dämlicher Absicht) hinten an.

Das Wäscherei-Viertel

Der Damm zur Haji-Ali-Moschee

Junger Pilger auf der Haj zu Haji-Ali

Gnadenlose Sonne

Wir laufen also bei >40 Grad im Schatten und ohne das kleinste bisschen Schatten weit und breit im Freien herum. Als Resultat sind wir so matschig, dass wir es grad noch zurück in unser klimatisiertes Hostel schaffen. Wo wir dann feststellen müssen, dass unser schönes neues Zimmer einen Wasserrohrbruch hat und sämtliche Klamotten und beide Rucksäcke von Ria durchgeweicht sind. Zum Glück ist es Frischwasser, aber das ist nur ein kleiner Trost. Das Wasser, das am Morgen nach dem Duschen aus der Steckdose lief, zusammen mit dem Plastikschmorgeruch, war vielleicht ein kleiner Hinweis. Aber um fair zu bleiben muss man sagen, dass wir diese Umstände gleich gemeldet hatten. Nur hatte die Sonne sie wohl aus unserem Gehirn gebrannt…

Backpacks zum Trocknen vor der A/C

Nach dem Umzug in ein anderes Zimmer für die Nacht beschließen wir, uns gegenseitig zum 30. Geburtstag einen Aufenthalt im Taj Mahal Palace Hotel gleich um die Ecke zu schenken. Das berühmteste Hotel und – nach dem echten Taj Mahal – am zweitmeisten fotografierte Gebäude Indiens liegt gleich um die Ecke. Es wurde 1903 vom parsisch-indischen Großindustriellen Tata aus Trotz erbaut, nachdem er in den benachbarten britischen Hotels auf Grund seiner Herkunft abgewiesen worden war. Zudem spielte es eine maßgebliche Rolle in der Unabhängigkeitsbewegung, durften hier damals Mitglieder der Bewegung umsonst wohnen.

Aber vorher sind wir noch bei entfernten Verwandten der Belluts zum Abendessen eingeladen und lernen mal eine indische Wohnung von innen kennen. Die Familie Kothari ist sehr gastfreundlich, sie sprechen sogar deutsch, und Mahendras 98-Jährige, Bombay-stämmige Mutter war bereits 1961 einmal in Hannover!

Familienzusammenführung

Bevor wir am nächsten Tag ins Taj umziehen, schauen wir uns noch mit Larissa und Steven, die wir seit Munnar immer wieder treffen, den Crawford Bazaar und die umliegende Einkaufsgegend an. Es ist wie immer todesheiß, darum kann ich mich nicht an viel erinnern, was da so los war. Hier ein paar Eindrücke:

Transport teurer Alphonso-Mangos

Danach packen wir dann unsere Backpacks, schultern je einen auf dem Rücken und einen vorm Bauch, und marschieren ins Taj Mahal Palace.

Ungewohnte Gäste im Taj Mahal Palace

Ich komme mir maßlos fehl am Platz vor und der Portier scheint ähnliches zu denken, als er uns mehrfach fragt, ob wir wirklich einchecken wollen. Nach der Sicherheitskontrolle – 2008 gab es konzertierte Terroranschläge in Mumbai, unter anderem auf das Hotel – werden uns unsere großen Rucksäcke abgenommen und wir sehen immerhin etwas respektabler aus. Auch das scheint aufzufallen. Als wir am Check-In-Schalter stehen, wird uns die frohe Botschaft vermittelt, dass wir umsonst auf eine Suite upgegradet wurden, mit allen Annehmlichkeiten. Neben dem sowieso schon völlig überdimensionierten Frühstück ist jetzt auch noch „High Tea“, Cocktail-Stunde mit Ors d‘Oeuvres, Cognac-Stunde mit Schokolade sowie ein 24h-Stunden-Butlerservice inklusive. Letzteres nehmen wir nicht in Anspruch, das kommt uns dann doch etwas too much vor. Aber den Rest nehmen wir natürlich voll mit. Auch den Pool, die morgendliche Yoga-Stunde und den Fitness-Raum lassen wir nicht aus. Man kommt sich fast vor wie bei House of Cards…

High Tea im Salon

Treppenhaus aus original Eiffelturmstahl

Dunkles Brot und Hartkäse!!!

Als es dann soweit ist, können wir uns nur schweren Herzens vom Taj trennen. Aber solche Momente sind auch nur so schön, wenn sie die Ausnahme sind und nicht die Regel. Und so bestellen wir uns ein klappriges altes Uber, welches sich durch die geparkten 7er BMWs schlängelt, uns vor der Hoteleinfahrt aufgabelt und uns unserem nächsten Ziel näher bringt: Udaipur. Endlich geht es nach Rajasthan.

-David (The Arch Boutique Hotel, Jodhpur, Rajasthan)

Punk over Hippie

Indien ist die Urwiege des Yoga. Auch wir hatten Lust unsere bisher überschaubaren Yogakünste auszuweiten und mal wieder ein bisschen Sport zu treiben. Die Yogaschulen in Mysore entsprachen nicht so ganz unseren Wünschen (in wackligen Hochhäusern untergebracht, von fragwürdigen Yogagurus mit Post-Truth-Lebensläufen betrieben, seltsame „Tantra-Privattreffen“ dieser Gurus auf dem Land etc.).

Im Zug von Hampi nach Goa mit 6 Stunden Verspätung

Also haben wir uns im „Earth Yoga Village“ in Palolem in Goa angemeldet. Meine erste Erkenntnis war, dass Goa ein kleiner Bundesstaat ist und keine Stadt. Dieser wiederum teilt sich auf in den partywütigen Norden, den unsere russischen Freunde vorziehen und den ruhigeren, entspannten Süden, den fast alle anderen vorziehen.

Der tägliche Besuch beim neuen Freund

Palolem Strand

Medizin mal ganz bodenständig

Über eine mutig-konstruierte Holzbrücke überquert man einen Fluss am Nordende des Strandes und steht im Yogadorf.

Earth Yoga Village

Wir schlafen in einer recht offenen Hütte mit Outdoorbad, 3 mal am Tag gibt es veganes Buffet. Morgens ab 7 geht es los mit einer Stunde Meditation und Atemübungen, über den Tag verteilt dann drei Stunden Yoga. Die Yogastunden sind sehr gut gemacht und die deutsche Betonhüfte zeigt ein paar Zentimeter mehr Flexibilität.

Durch die super Lage zwischen Dschungel und Strand fühlen sich jede Menge Tiere dazu eingeladen, teilzuhaben. So finden sich Frösche im Bett, Affen auf dem Dach, Krähen im Frühstücksbüffet und zum Sonnenuntergang eine Trillionen DEET-tolerante Moskitos ein. David füßelt beim Frühstück ausversehen mit einer braun-roten Schlange. Der Besitzer versichert uns erst, dass sie ungefährlich sei, holt dann jedoch schnell einen Arbeiter, der die Schlange mit einem langen Stab vertreibt. Wikipedia sagt was anderes als ungefährlich…

Inklusive sind weiterhin fünf „Lectures“ bei Anand, dem Besitzer des Yogacamps. Bei der ersten Stunde „Ego and Happiness“ ahnen wir es schon, bei der nächsten Stunde wird dann klar: ich/wir profitieren von Yoga und auch Meditation, das heißt jedoch noch nicht, dass man das ganze Esotherik-Paket verinnerlichen muss. Manche Gedanken sind gut, aber die Sätze, die mit:“It’s scientifically proofen that…“ anfangen oder mit „…you can google it“ aufhören, sind schwierig. Karma ist Teil einer Religion und bestimmt kein schädlicher Gedanke, aber eben kein wissenschaftlicher Fakt. Auch der Personenkult um so einen „Guru“ widerstrebt uns. Also ersetzen wir die kommenden Lectures durch Baden im Meer und Welpen besuchen gehen. Punk geht eben über Hippie. 😉

Wir lernen ein paar sehr nette Leute kennen; im „Cozy Nook“ hängt man so zum Lemon Soda, Mango Lassi, Rösti mit Spinat und Spiegelei! und dem ein oder anderen Sundowner Gin Tonic zusammen ab. In Goa ist alles etwas legerer: Kleidungsregeln, Alkohollizenzen, Registrierungsvorschriften.

Als neben der Reinigungsmannschaft und vielen Kleinigkeiten auch noch die Wasserversorgung des Yogacamps zusammenbricht, nehmen wir das Angebot des Besitzers an, gegen Rückerstattung umzuziehen. Eine ganze Schar anderer zivilisationsvornehmlichkeitsliebhander Yogis folgt dem Auszug aus dem Dschungelcamp.

Kuh am Strand- ungewohntes Ensemble

Indisches Baywatch

Wir verbringen noch ein paar sehr entspannte Tage am Strand, obwohl uns die täglich merklich steigenden Temperaturen zum erneuten Umzug in ein Klimaanlagenzimmer zwingen. Ende April ist dann offiziell die Saison vorbei. Dann bauen die Leute tatsächlich fast alle Hütten, Bars und Restaurants vor dem nahenden Monsun ab und erst 4 Monate später wieder auf.

Am letzten Tag kommen wir noch in den Geschmack des besten Seafoods seit langem. David verdrückt circa 1,2 kg gegrillten Seebarsch und ich ein leckeres Fischcurry. Danach versuchen wir unsere kugeligen Bäuchen auf der Tanzfläche eines kleinen aber feinen Clubs zu bewegen. Um 23 Uhr macht dann aber alles zu – Lärmschutzregeln. Ist auch besser so, denn am nächsten Tag fliegen wir nach Mumbai.

-Ria (Bus von Udaipur nach Jodhpur mit dauerrotzendem Typen in der Sitzreihe hinter mir)